Es war ein würdiges Finale. Deutschland hat gekämpft, alles versucht, aber man muss fairerweise anerkennen, dass Spanien die bessere Mannschaft war. Die Spanier haben von Anfang an ein Klasse-Turnier gespielt und schönen Fußball geboten. Sie stellten das konstanteste Team und gewannen fast jedes Spiel - der Sieg nach Elfmeterschießen gegen Italien wird offiziell als Unentschieden geführt. Wem also kann man den Titel nicht mehr gönnen als ihnen?
Die Mannschaft von Joachim Löw ist dank einer tollen kämpferischen Leistung und viel Moral bis ins Finale gekommen. Auch das ist ein schöner Erfolg. Er hätte noch größer werden können, wenn unser Team sein spielerisches Können, sein technisches und taktisches Vermögen in vollem Umfang hätte abrufen können. Wenn Michael Ballack & Co. wie bei der WM 2006 richtig guten, offensiven Kombinationsfußball gespielt hätten, hätte es vielleicht für den ganz großen Gipfelsturm bei der Bergtour 2008 gereicht.
Aber offenbar war die Zeit dafür noch nicht reif. Für manchen Spieler war diesmal der Druck vielleicht doch noch ein bisschen zu groß, wie Joachim Löw mir selbst gesagt hatte. Aber so bleibt nun die Hoffnung auf das nächste große Ziel: den Gewinn der WM 2010 in Südafrika. Ich finde, wir können sehr optimistisch in die Zukunft schauen. Der Bundestrainer verfügt über viele junge und talentierte Spieler wie Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Marcell Jansen oder Mario Gomez. Sie und alle anderen werden nach dieser Euro gefestigter in das nächste große Turnier gehen.
Insgesamt war es ein sehr erfolgreiches Turnier für die deutsche Mannschaft. Man darf nicht vergessen, dass wir seit zwölf Jahren kein einziges EM-Spiel mehr gewonnen hatten vor dem 2:0 gegen die Polen. Jetzt sind wir bis ins Finale gekommen und hatten wieder einen wunderschönen Turnierabschluss am Brandenburger Tor. Gerade in Berlin hat man wieder gemerkt, wie eng die Bindung zwischen Mannschaft und Fans und umgekehrt ist. Das ist sehr alles stimmig. Ich habe das Gefühl, dass die Nationalmannschaft in Deutschland noch nie so beliebt war wie seit der WM 2006. Was damals schon nicht zu toppen schien, ist einfach nahtlos in den Alltag übergegangen. Trainer-Team und Spieler haben immer wieder betont, wie sehr diese tolle Stimmung sie trägt. Insofern dürfen wir uns alle schon jetzt auf die WM-Qualifikation und die nächste große Herausforderung freuen.
Ich teile Ihre Beobachtung vollkommen. Auch abseits von Public Viewing und Fähnchen am Auto besteht im Moment eine Identifikation mit der Deutschen Nationalmannschaft wie schon seit einigen Jahren nicht mehr. Nach der WM 1990 versank die Mannschaft kontinuierlich immer weiter in einem Trauertal, spielte langweiligen Fußball und bestand allmählich nur noch aus Spielern, von denen man nicht genau wusste, warum und weshalb sie für Deutschland überhaupt alles geben sollten. Kritik von außen, insbesondere von den Medien, wurde von Offiziellen achtlos beiseite geschoben nach dem Motto "Die Nationalmannschaft geht nur uns was an". Seit dem Umbruch nach 2004 ist in dieser Hinsicht ein klares Umdenken zu erkennen. Trotz geheimer Traningseinheiten fühlt man sich der Mannschaft näher als je zuvor. Dr. Theo Zwanziger spricht mit seiner Aussage "Die Nationalmannschaft gehört den Fans" in Bezug auf mögliche exklusive Übertragung der Spiele im Pay-TV uns allen aus der Seele. Das nach außen bedingungslose "Wir-Gefühl", das die Mannschaft ausstrahlt entschädigt so auch für die eher schlechten Leistungen bei dieser Europameisterschaft.
Patrick M. am 30.06.08 19:31
Warum sind sie nicht ehrlich und sagen was Sache ist. Das war das schlechteste Endspiel einer deutschen Nationalmannschaft, das ich bisher gesehen habe. Und ich habe alle gesehen von 1954 bis heute.
Sage und schreibe 4 Torschüsse auf das Tor der Spanier. Merken sie denn nicht, daß wir mehr und mehr nicht mehr ernst genommen werden von unseren Gegnern. Offensichtlich war die Mannschaft seit Beginn des EM-Turniers nicht richtig eingestellt worden, denn solche unterschiedlichen Leistungen sind doch eine Sache des Kopfes. Zumal wir alle wissen, daß sie es besser können. Das ist aber eine Aufgabe des Trainers.
Reiner am 30.06.08 19:35
Ein System, in welchem Spieler unantastabar sind und "nicht zur Diskussion" stehen oder "gesetzt", obwohl deren Leistung unterirdisch ist (Ballack, Frings, Lehmann)ist eine Verhöhnung all jener, die richtig Potential und Leistungswillen (z.B. Marin, Hildebrandt) haben. Der DFB ist aber schon seit jeher für Vetternwirtschaft berüchtigt.
Die deutsche Mannschaft hat bis auf das Spiel gegen Portugal den Einzug ins Finale nicht mal verdient.
Und dann muss man noch so selbsternannten Experten zuhören, die auf Seiten der Spanier die rote Karte fordern, das Handspiel von Lehmann ausserhalb des Strafraums (auch rotwürdig) nicht gesehen haben wollen. Manchmal sollte man einfach mal die nationale Brille abnehmen und sich den Tatsachen zuwenden!
Es ging um einen sportlichen Wettkampf, den hat Spanien mit deutlich mehr Klasse zu seinem Gunsten entschieden. Spanien ist ein würdiger Europameister, den Sieg erkenne ich neidlos an und gratuliere zu dieser konstanten Leistung!
Sei 1980 habe ich jede EM und WM gesehen, eines hat sich in all den Jahren nicht geändert: Die deutsche Mannschaft läuft immer, als hätten sie Zement in den Socken. Lustloses Hin- und Hergeschiebe des Balls hinten und im Mittelfeld einen Fehlpassgenerator à la Ballack. Unser Jugendtrainer hätte uns seinerzeit die Beine abgehackt, wenn wir so desolate Pässe geschlagen hätten. Und mich hätte der Trainer an der Latte aufgehangen, wenn ich wie Lehmann rauslaufe, ohne dann konsequent auf den Ball zu gehen.
Zumindest die schauspielerischen Einlagen werden immer unterhaltsamer, da gibts was gegen den Schienbeinschoner, schon wird sich 5 Minuten wie in Todespein gewälzt.
Deutschland hat es bis ins Finale gebracht, wenn auch nicht verdient. Der verdiente Sieger heisst zumindest Spanien.
Björn
Björn am 30.06.08 19:55
dieses Spiel stellt (glücklicherweise) in keinster weise die leistung ein Kämpferischen deutschen Mannschaft dar. viel mehr war eine Resignation der deutschen Mannschaft bereits nach wenigen Spielminuten zu beobachten do wurde aus einer klaren dominanz das Spiel welches wir alle traurigerweise mit ansehen mussten. nun sollte sich wahrlich die frage stellen warum unter der leitung von Joachim Löw sämmtliche Spiele so verhalten ausgefallen sind und warum die leitung durch Hans Dieter Flick zu einen solch fulminanten Spiel gegen Portugal geführt hat. es ist nach dieser em eindeutig größtenteils von eine Stolperturnier der deutschen Auswahl zu sprechen denn mit der Leistung die sie in den meisten Spielen gezeigt haben war es nur eine frage der zeit bis die Mannschafft verliert, es ist zwar erst im Finale passiert aber es ist passiert das alles ist umso traurieger da die Spielerischeleistung der Deutschen Mannschaft eigenntlich weit über den gezeigten lieg (Bsp wie eben schon Deutschland Portugal) aber es gelingt nicht sie abzurufen insofdern sollte man davor warnen dieses Turnier allzu positiv zu bewerten.
Hagen-Henrik Kowalski am 30.06.08 20:13
Wie kann denn diesmal die Zeit für offensiven Kombinationsfußball "noch nicht reif" gewesen sein, wenn die nahezu identische Mannschaft ähnliches vor 2 Jahren bereits gekonnt hat.
Und was die Bindung der Fans angeht: Ich habe das Gefühl, dass da eine große Masse ein Ereignis - ein "Event" - zum feiern nutzt. Nicht mehr und nicht weniger. In meinem Erweiterten Umfeld hupen jedenfalls Menschen, die bis heute Clemens Fritz nicht von Simon Rolfes unterscheiden können. Darauf, auf eine "tragende Stimmung", sollte sich die Nationalmannschaft besser nicht verlassen.
Herr Wieland (Drei Ecken, ein Elfer) am 30.06.08 21:14
Ein würdiges Finale? Deutschland hat gekämpft, alles versucht? Welches Finale hat Frau Lierhaus gesehen? Ich habe nur eine hilflose deutsche Mannschaft gesehen, die sich bis auf Lehmann, Schweinsteiger und Lahm bereits nach 10 Minuten aufgegeben hat. Absolut enttäuschend v.a. Michael Ballack ("der beste Mittelfeldspieler der Welt"?) und Torsten Frings. Und dann kommen auch noch die ungelenken Kuranyi und Gomez (statt Neuville) - eine taktische Meisterleistung von Löw!!!
Insgesamt war es ein sehr erfolgreiches Turnier für die deutsche Mannschaft?
Vom Ergebnis her (Zweiter Platz) vielleicht - aber etwas kritischere Töne wären bei einer Sportreporterin (im Gegensatz zu einer Boulevardreporterin, die es sich mit ihren "Kunden" nicht verderben möchte) schon angebracht (so wie in ihrem treffenden Artikel "Ein Team, zwei Gesichter"). Diese Schönfärberei in den Medien ("Vize-Helden") und durch Joachim Löw und Michael Ballack nach nur eineinhalb (!) guten Spielen und solch einem desaströsen Abgang im Finale ist einfach unerträglich! Ich habe noch nie ein derart einseitiges Finale gesehen, bei dem eine Mannschaft sich so technisch unterlegen und v.a. so willensschwach und kraftlos (auch die Spanier haben vorher 5 Spiele gehabt!) gezeigt hat. Insgesamt war diese EM daher - trotz der (professionellen) Hochjubler eine große Enttäuschung. Ein Rückschritt für die Nationalmannschaft und v.a. für Joachim Löw, der das offensichtliche Versagen und die fehlenden Fähigkeiten einiger Spieler (Odonkor, Kuranyi und insbesondere Gomez!!!) nicht wahrhaben wollte und - im Gegensatz zu früher - jetzt auch die Fähigkeit zur (Selbst-)Kritik verloren zu haben scheint.
Manfred am 1.07.08 8:54
Sehr verehrte Frau Lierhaus,
meiner Meinung nach finden Sie vielleicht einige verträumte Fans auf den Fanmeilen, die Ihre Einschätzung teilen, aber beliebt kann eine Mannschaft nicht mit der über das gesamte Turnier gezeigten Leistung werden.
Von den Medien wurde sogar das Spiel gegen Österreich zu einem besonderen
Ereignis mit fußballerisch hohem Stellenwert hochgejubelt und dabei zeigte sich die mentale Schwäche der
gesamten Mannschaft, einschließlich
Trainer Löw und Manager Bierhoff.
Beliebt und geachtet wird man erst, wenn man Charakter zeigt.Medien könnten diesen oft überforderten Sportlern helfen, indem sie objektiv
grenzwertige Situationen schildern und beschreiben, aber leider werden die Ereignisse zu naiv, zu laienhaft, zu provozierend und zu billig in die Öffentlichkeit getragen, sodass man doch geneigt ist, den Fernseher auszuschalten oder den Ton abzustellen.
Ich würde mich freuen, wenn Sie in Zukunft solche sportlichen Ereignisse mit Diplomatie schildern.
Aus meiner Sicht kann die deutsche Mannschaft nur beliebt werden, wenn sie versucht, ein wenig Freude am Fußballspielen zu haben, denn sonst bleibt sie zweitklassig und erreicht noch niemals das nächste Ziel.
Beliebt kann man auch werden, wenn man ein wenig bescheidener die angestrebten Ziele im Auge hat, denn sonst kommt Hochmut vor dem Fall.
schnmoll,horst am 1.07.08 10:46
Jetzt, inzwischen 2 Tage nach dem Finale, bin ich leider immer noch nicht ganz darüber weg.
Ja, stimmt, Spanien war die bessere Mannschaft. Allerdings tue ich mich schwer damit, den neuen Europameister als quasi unschlagbare Mannschaft zu bewerten, auch wenn sie es scheinbar im Turnier gewesen ist.
Ich denke, dass unsere Spass-Kicker vorallem taktisch mehrere Optionen hatten, ich denke da vor allem nach dem 0:1 an eine offensivere Ausrichtung.
Die Einwechselung von Kuranyi blieb genauso erfolglos wie bereits gegen Kroatien, daher habe ich für diese Trainer-Idee auch überhaupt kein Verständnis, ebenso wie für die Auswechslung von Klose, hier hätte ich mir eher noch einen Borowski als Entlastung im Mittelfeld gewünscht (hat vor 2 Jahren mit Borowski und Klose gegen Argentinien mit dem Ausgleich-Tor kurz vor Schluss der regulären Spielzeit doch auch wunderbar geklappt). Ich würde mich zu weit rauslehnen, wenn ich jetzt noch behaupten würde, in der 2. Halbzeit mit Podolski (links) Klose (Mitte) und Neuville (rechts) wären wir "vielleicht" gefährlicher gewesen, ich kenne bereits den Einwand, die spielstarken Spanier hätten uns auseinander genommen, nun was solls, 0:1, 0:3, 0:5, mir ist es egal wie hoch wir verlieren. Jansen war super und hat alles versucht. Und warum hat man überhaupt solange mit einer Reaktion gewartet? Es ist mir fast leid, dass immer erst nach dem Spiel die Fehler analysiert werden können, warum lernt man nicht dazu und liest das Spiel während den 90 Minuten.
OK, ich gebe zu, ich nörgel etwas rum, ich gebe auch zu, dass mit Sicherheit nicht alles schlecht ist. Ich würde beinahe sagen 90% hervorragende Arbeit und beste Rahmenbedingungen aber die 10% zum Titelgewinn fehlen noch - und aufgrund der Erfahrung von 2006 und 2008 wage ich eine nüchterne Prognose für 2010...wenn nämlich dann wieder "Ersatzspieler" einen Rückstand drehen sollen.
Und auch wenn ich kein Fan von Jens Lehmann bin, finde ich es wirklich schade, dass hier wohl der letzte Spieler der "alten Generation" sein letztes großes Tunier gespielt hat...ich habe den Eindruck, dass jetzt nur noch die Bravo-Fußballer im Vordergrund stehen, egal wie sie spielen, Podolski, Ronaldo und Co. lösen bereits wie Tokio-Hotel und Konsorten erstklassiges Girlie-Geschrei aus, demnach ist es doch nun völlig egal ob wir einen Titel holen und wie wir gespielt haben.
Ich bewundere unsere neu entstandene FanKultur in Deutschland...
Thomas D. am 1.07.08 12:23
Toll!? Wir sind Vize-Europameister... Nach dem 3. Platz bei der WM 06 haben wir statistisch gesehen eine positive Weiterentwicklung erreicht. Jedoch was wir auf dem Platz während der EM sahen, war weitestgehend ein Rückschritt. 2006 haben wir in allen Spielen eine spielfreudige und kämpferische Mannschaft gesehen. Selbst dem unglücklichen Ausscheiden im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister konnte man etwas positives abgewinnen. Die Euphorie war mehr als berechtigt. Dies war leider während der EM nicht so. Längst vergessene Untugenden im Spiel der Deutschen Mannschaft kamen regelmäßig zum Vorschein. Auch haben sich einige Reporter diesen starken Schwankungen ergeben. Wie kann es sonst zu erklären sein, dass man bei dieser EM von einem Fortschritt sprechen kann? Die Reporter und Fussballexperten haben uns Fans gegenüber auch die Verpflichtung Gründe für solch schwankende Leistungen im Gespräch mit den Verantwortlichen näherzubringen. Dies sind in erster Linie der Trainer und in zweiter Linie der Kapitän. Letzterer ist leider ein weiteres Mal den Beweis schuldig geblieben eine Führungspersönlichkeit zu sein. Wenn wir diesen Mangel beseitigen und zusätzlich den Trainerstab mit Psychologen erweitern, haben wir zumindest für 2010 zwei Ausreden weniger warum es nicht geklappt hat.
Thomas Zucker am 1.07.08 15:16
Spanien ist Europameister!
Und das högschd verdient.
Und unsere Mannschaft?
Ehrlich gesagt kann ich ihr zumindestens nicht die "tolle Moral" attestieren, wie es immer wieder andere wie Frau Lierhaus gesehen haben wollen.
Während des ganzen Finalspiels spielte die Mannschaft irgendwie ohne Feuer, ohne Zug.
Bei manchem hatte ich den Eindruck, daß man noch mal erklären müsste, daß es an diesem Abend um die Wurst geht.
Auf dem Feld war nichts zu sehen von "Wir wollen Euopameister werden".
Stellvertretend für diese Einstellung steht auf Seiten der Spanier Fernando Torres beim Erzielen des 1-0: Biss und Engagement. Der pure Willen!
Das war imponierend und klasse zugleich.
Mit so einer Mannschaft wie der unsrigen, die man zum Jagen tragen muß, fällt es zur Zeit schwer, sich zu identifizieren.
Meine Gratulation an Spanien!
Marco Sari am 1.07.08 19:01
2 aus 6!
Zwei schöne Spiele (Polen und Portugal) reichen leider nicht, um Europameister zu werden.
Gegen Österreich und Türkei war es das Glück (was sicherlich dazu gehört), dass der Pass bzw. Freistoss im richtigen Moment ankommt.
Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob die Spieler wussten, dass sie auf einer EM sind oder in einem Wellness-Trainingslager. Wie bemerkte doch Frau Lierhaus nach dem Polen-Spiel in Ihrer Reportage: "Ich habe noch nie eine so tolle Stimmung bei einer deutschen Mannschaft erlebt" - dann kam Kroatien. Davor ein schöner Bericht über Urs Siegenthaler und seine Jungs, die die Kroaten bereits seit über 1 1/2 Jahren beobachten und jede Armbewegung analysiert haben ... vielleicht hätte unser Chefscout auch mal analysieren sollen, dass man als Gegner der Kroaten auch noch spielen muss.
Der türkische Trainer lässt dann seine Jungs einfach so wie Kroatien spielen und alle sind erstaunt. Ein Bruchteil der Leidenschaft und des Herzblutes der Türken und der Spanier hätte man sich als Fan von unserer Mannschaft gewünscht ...
Die Mannschaft zehrte bei dieser EM noch vom Beliebtheitsbonus der WM 2006 und ist solange beliebt, wie man als Fan merkt, dass die Jungs auf dem Platz versuchen tollen Fussball zu spielen. Insofern ist diese Beliebtheit hier im Land schon abgekühlt (s. auch die Kommentare), was bei Frau Lierhaus im Studio scheinbar noch nicht angekommen ist.
Im Arbeitszeugnis dieser EM müsste stehen (wie auch bei der Vize-WM 2002): Die Mannschaft war stets bemüht.
Norbert am 2.07.08 11:25
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Zum SeitenanfangDas Ende ist immer gleich.
Egal, wer den Titel holt, wer den Ball aus 30 Metern unter die Latte haut oder den Elfmeter in der Nachspielzeit hält - am Ende steht immer der Ausverkauf.
Die Accessoires der Euro - Trikots, Schals, Mützen, Fahnen - mutieren in kürzester Zeit vom Kassenschlager zum Ladenhüter. 69 Euro, 49 Euro, 29 Euro - die vorher oft so überzogenen Preise fallen schneller als so mancher Nationalspieler wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist.
Wir leben in der Event-Gesellschaft. Die Euro ist vorbei, die nächsten Großereignisse rücken nahtlos in den Focus der Öffentlichkeit. Klinsi hat seine Bayern-Kicker bereits um sich geschart, die Tour de France startet am Samstag, die Olympischen Spiele Anfang August.
Aber in zwei Jahren ist die internationalen Fußball-Durstzeit ja glücklicherweise wieder vorbei. Dann werden aus den Ladenhütern wieder Verkaufsschlager.
Tschüss Euro, willkommen WM!
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Immer noch trunken vor Freude (und nicht nur davon) rief mich heute Morgen mein spanischer Freund Primo an. "Olé, olé, olé, olééééé", sang er mir so laut ins Ohr, dass ich die Muschel doch auf einige Distanz bringen musste. Der lang ersehnte EM-Titel - er ist Balsam auf die wunde spanische Fußballseele. 44 Jahre war die Selección ohne Titel geblieben, 24 Jahre lag die letzte spanische Finalteilnahme zurück: Kein Wunder also, dass Primo und seine Landsleute sich immer noch im Zustand deutlich erhöhter Lebensfreude befinden.
Ich gönne den Spaniern den Titel von Herzen. Sie stellten über das gesamte Turnier gesehen die konstanteste Mannschaft, waren auch im Finale das klar bessere Team. Der Erfolg ist auch der ganz persönliche Triumph ihres Trainers Luis Aragonés. Ihm ist es nicht nur gelungen, das spanische Titeltrauma zu beenden, sondern er hat es auch geschafft, ein Team auf den Platz zu bringen. Daran nämlich waren die Iberer in der Vergangenheit immer wieder zuvorderst gescheitert: Dass super Einzelspieler sich nie zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammenraufen konnten.
Teamgeist lässt sich Joachim Löws Mannen auch nicht absprechen. Aus deutscher Sicht muss man aber ehrlich sagen: Insgesamt waren die Leistungen zu wechselhaft und unspektakulär, zeigte die deutsche Mannschaft viel zu wenig spielerische Klasse, als dass der Titeltraum zu Recht in Erfüllung gegangen wäre. Im Grunde hat sich das Team des Bundestrainers zuallererst dank berühmt-berüchtigter deutscher Tugenden wie Kampfgeist und Willen ins Endspiel durchgeboxt. Dort mussten wir dann schmerzlich erfahren, dass der Weg zur absoluten Spitze doch noch ein weiter ist.
Der Jubel der 100.000 Anhänger heute auf der Berliner Fanmeile, der durchaus an das "Sommermärchen 2006" erinnert, zeigt aber auch die öffentliche Akzeptanz dieser Nationalmannschaft. Er zeigt darüber hinaus, dass Fußball-Deutschland hinter diesem Team steht und den von Joachim Löw eingeschlagenen Weg mit ihm weitergehen möchte - wenngleich er während des Turniers von seinen eigentlichen Idealen abgerückt ist und das offensive 4-4-2-System dem defensiveren 4-2-3-1 geopfert hat. Pragmatismus nennt man so etwas. Dass nach der Niederlage gegen Kroatien sein ganzes Konzept ins Gerede geraten war, habe nicht nur ich für völlig überzogen gehalten. Löw ist und bleibt der richtige Mann, um dieses Team, das Herz hat und dem nicht zuletzt deshalb auch die Herzen zufliegen, weiter zu entwickeln. Ohne jedes Wenn und Aber.
Persönlich richtig Leid tut mir Michael Ballack, der auch sein sechstes Finale verloren hat. Seinem Trauma, international auf Platz zwei abonniert zu sein, konnte er auch diesmal nicht entfliehen. So bleibt ihm wie der ganzen Mannschaft nur, vom WM-Titel 2010 zu träumen. Es könnte für den dann 33-jährigen "Capitano" fast schon die letzte Chance sein, sich doch noch den Traum von einem internationalen Titel zu erfüllen. Von der Altersstruktur her hat das Team beste Aussichten. Etliche Talente wie Marko Marin oder René Adler drängen sich auf. Vor der Zukunft muss uns also nicht bange sein. Mit Blick auf die Vor-Löw-Klinsmann-Ära ist allein diese Perspektive schon ein echter Erfolg. Und geht’s nach dem Gesetz der Serie, wären wir nach dem dritten Platz bei der WM 2006 und der jetzigen Vize-Europameisterschaft in Südafrika endlich mit dem Titel dran. Es darf also wieder geträumt werden.
Ja, der Titel an die Spanier geht völlig in Ordnung. Vielleicht ist ja Ballack auch noch ein großer Titel vergönnt. Ansonsten Danke an ihn und die ganze Mannschaft (inklusive Trainer!)
Flo am 30.06.08 17:09
Wer sorgfältig hinschaut dem wird nicht entgangen sein, dass der rhetorisch gewiefte Herr Bundestrainer nicht jene Betrachter täuschen kann, die sachlich und nüchtern analysieren. So ist es nur unschwer erkennbar, dass nicht der Leistungsgedanke im Vordergrund steht, sondern Verdienste die in der Vergangenheit ruhen. Wenn es sich hierbei dann aber um lange verletzte oder kaum mit Spielpraxis behaftete so genannte Leistungsträger handelt, erscheint das Auswahlkriterium des Herrn Löw doch eher undefinierbar. Die krassen taktischen Fehler und das Festhalten an formschwachen Spielern (Klose Metzelder Lehmann Frings Ballack ) zeigt nur, was möglich gewesen wäre, hätte der Bundestrainer auf die Spieler gesetzt, die mindestens Moral als Tugend aufweisen. Portugal war das einzige vorzeigbare gute Spiel und das Duseltor von Lahm in letzter Minute (Türkei) nur das Glück, das uns letztendlich erlaubte in einem Endspiel zu stehen, in das wir noch nicht gehören.
Rainer Schulz am 30.06.08 17:55
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Zum SeitenanfangZum Schluss sagen dann alle immer "danke" und ziehen Bilanz. Auch wir bei der ARD! Mein ganz persönliches A bis Z der Tops und Flops dieser Euro 2008!
A wie Abschied: Für Volker Kottkamp war es das letzte große Fußballevent als ARD-Teamchef. Bei den Olympischen Spielen in Peking ist er noch einmal dabei. Danach geht er in den wohlverdienten Ruhestand. "Ohne Kotti wär hier gar nix los" sangen die Kollegen bei der Teamfeier. Dem ist nichts hinzuzufügen.
B wie Ballack: Führte die deutsche Mannschaft ins Finale von Wien, auch wenn er selbst nicht in jedem Spiel überzeugen konnte. Trotzdem: Well done!
C wie Cordoba: War DAS geflügelte Wort bei dieser Euro. Sollte uns Deutschen Angst machen. Doch es kam anders: 1:0 für Deutschland. Kein "Wunder von Wien", kein neues Cordoba!
D wie Donau: Fließt durch Wien und habe ich doch kaum zu Gesicht bekommen. Hole ich aber nach. Versprochen!
E wie England: Wien grüßt Lampard, Rooney & Co. See you 2010!
F wie Fanmeilen: In Deutschland wieder der Hit, in Österreich nur voll, wenn die eigene Mannschaft spielte. In Klagenfurt herrschte nach Zwischenfällen mit Hooligans teilweise sogar gähnende Leere.
G wie Griechenland: Top-Flop des Turniers neben Vize-Weltmeister Frankreich. Früh hieß es "Adieu, les Bleus", noch früher verabschiedeten sich Otto Rehhagel und der Titelverteidiger. Zeit, dass beide Mannschaften einer Frischzellenkur unterzogen werden!
H wie Happel: Namensgeber des Finalstadions und omnipräsent in Wien: Was wäre Österreich ohne den Grantler von Rapid?
I wie "Immer wieder Österreich": DER Schlachtruf der Österreicher, die nach dem Vorrundenaus ihre Sympathien auf die verbliebenen Teams verteilten.
J wie Jogi: Hat sein erstes Turnier als Cheftrainer mit Bravour bestanden. Blieb auch cool, als es nach dem Kroatien-Spiel Kritik hagelte. Sein Disput mit dem vierten Schiedsrichter im Österreich-Spiel war der Aufreger des Turniers!
K wie Kaffeehaus: Gibt`s in Wien wie Gegentore in San Marino. Nur schade, dass die akkreditierten Journalisten bei der Euro - einem UEFA-Sponsor geschuldet - mit "McCafé" Vorlieb nehmen mussten. Und das im Land der Kaffeekultur.
L wie "leiwand": Österreichischer Ausdruck für "großartig" oder "traumhaft". Verwenden die Wiener aber eher selten im Zusammenhang mit Fußball, eher mit Skifahren.
M wie Mehlspeisen: Das muss man den Österreichern ja lassen: Ob Palatschinken, Kaiserschmarrn oder Strudel - Mehlspeisen können sie! Neben dem Original Wiener Schnitzel der kulinarische Höhepunkt dieser vier Wochen!
N wie Niederlande: Nach der Vorrunde schon der "gefühlte Europameister" und Turnierfavorit schlechthin, schied die "Elftal" im Viertelfinale überraschend gegen Russland aus.
O wie "Oldschdod": Mein Verein und auch mein ganz persönliches Ärgernis während dieser Euro: Zum zweiten Mal binnen drei Jahren hat es die SpVgg Bayreuth (genannt: "Altstadt", fränkisch: "Oldschdod") nicht geschafft, die Lizenzauflagen des DFB zu erfüllen. Aus. Vorbei. Statt Regionalliga nun also wieder Bayernliga. Sechs, setzen, Herr Wicklein!
P wie Poldi: Blühte in der Nationalmannschaft auf und ließ ein enttäuschendes Jahr bei den Bayern vergessen. Ohne seine Tore gegen Polen und seine Vorlagen gegen Portugal stünde Deutschland wohl nicht im Finale!
Q wie Qualität: Eines der meistgebrauchten Worte von Bundestrainer Joachim Löw. Qualitäten hatten definitiv alle Mannschaften des Turniers, nur nicht alle auf dem Platz.
R wie Rapid: Ehre wem Ehre gebührt. Drum sei der aktuelle österreichische Meister an dieser Stelle erwähnt. Aus einem Besuch in Hütteldorf wurde allerdings nichts. Der Traditionsklub ist derzeit nur Gast im eigenen Stadion. Auch dort findet "Public Viewing" statt.
S wie SAD: Sonderzutrittsberechtigung fürs Stadion und der Grund, warum es auch für akkreditierte Journalisten keinen Zutritt zur Medientribüne gab. Musste man sich eben etwas anderes einfallen lassen, um die Spiele doch live zu sehen...
T wie "Todesgruppe": Die als solche bezeichnete Gruppe C mit Italien, Frankreich, den Niederlanden und Rumänien war keine. Aus jeder anderen Gruppe schaffte es mindestens ein Team ins Halbfinale - nicht jedoch aus dieser!
U wie Unwetter: Erst Basel, dann Wien: Der Regen spielte nicht immer mit bei dieser Euro. Am heftigsten war das Gewitter während des Halbfinalspiels Deutschland gegen die Türkei, das für einen Stromausfall im Sendezentrum in Wien sorgte und damit zu minutenlangen Bildausfällen führte.
V wie Vokuhila: Bei dieser Euro selbst bei den Tschechen so gut wie ausgemerzte Fußballerfrisur (vorne kurz, hinten lang)
W wie Wuchtel: Habe ich gelernt: So bezeichnen die Österreicher den Fußball, der dann nach einem "Köpfler" ans "Stangerl" fliegt. Oder so.
X wie Xavi (Hernandez): Stellte seinen Teamkollegen Xabi (Alonso) in den Schatten, sprich: auf die Ersatzbank. Einer der stärksten Spieler dieses Turniers!
Y wie Yuri Zhirkov: Für mich eine der Entdeckungen dieser Euro. Yuri Zhirkov beackerte bei Halbfinalist Russland die linke Seite und steht wie die gesamte Mannschaft für Schnelligkeit, Torgefahr und Laufbereitschaft. Ganz großes Turnier!
Z wie Zuschauer: 31 Spiele gab es bei dieser Euro, alle waren sie (offiziell) ausverkauft. Dass hier und da doch mal ein paar Plätze frei blieben, dazu schweigt die UEFA lieber. Fehler gibt halt niemand gerne zu.
Zu deinem "O" ist nichts hinzuzufügen. Grüße aus Bayreuth
Ein Bayreuther am 30.06.08 15:18
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Zum SeitenanfangDas Sprachengewirr beim Abschlusstraining der deutschen Nationalmannschaft heute im Ernst-Happel-Stadion war schon enorm. Wer sich da alles tummelte: Spanische Kollegen, klar, Franzosen, Italiener, aber auch Journalisten und Kameramänner aus Ländern, die man mit der Euro nicht so leicht in Verbindung bringt: China, Japan, England...
Sie alle beschäftigte während der Viertelstunde, in der das Training für die Weltöffentlichkeit geöffnet wurde, die Frage: Wo ist Michael Ballack? Wenngleich ich zugebe, dass ich bei den allermeisten Kollegen tatsächlich nur "Ballack" oder "Bollock" oder etwas Ähnliches verstanden habe. Dass der "Capitano" an der Wade verletzt ist, lief just erst im gleichen Moment über die Ticker.
So ein Abschlusstraining ist übrigens nicht wirklich aufschlussreich für die Sportjournalisten aus aller Welt. Höhepunkt heute: Die Präsentation des Cups Henri Delaunay für die wartenden Fotografen und Kameraleute sowie die Jongliereinlagen von Bundestrainer Joachim Löw, der ja als Spieler immerhin ein ganz guter Zweitliga-Kicker (u.a. beim SC Freiburg) war.
Knapp eine Stunde später, beim Warten auf den Bundestrainer im Pressekonferenzraum, wieder Sprachengewirr. Doch diesmal hatten zwei französische Kollegen der Sportzeitung "L`Equipe" ein Lied von John Paul Young auf den Lippen, dessen abgewandelten (englischen) Text ich sehr wohl und sehr gut verstanden habe: "Löw is in the Air". Ob dessen Balljonglagen der Grund für diesen Gute-Laune-Schub waren, darüber darf spekuliert werden.
B wie Bartels. Bitte in Zukunft nur noch beim Skispringen. Das war wirklich kein Ohrenschmaus.
Sven S. am 29.06.08 23:56
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